DIALOGUE   

Dialog in Bildern

 

Werner Lichtner-Aix & Katharina Lichtner

 

Das Musée-Atelier Werner Lichtner-Aix hat in den vergangenen 30 Jahren nach dem Tod des Künstlers 1987 mit unterschiedlichen Themenausstellungen das vielseitige Werk in den Fokus gesetzt. Die aktuelle Ausstellung lenkt erstmalig den Blickwinkel auf einen Dialog in Bildern, einem Dialog zwischen Vater und Tochter, der Malerin Katharina Lichtner.

Als Werner Lichtner-Aix (1939 - 1987) Mitte der 60er Jahre in der Provence ankommt, ist er fasziniert von dem Licht und den Farben dieser Kulturlandschaft in ocker und blau. In den ersten Jahren entstehen Bilder von ungestümer, kraftvoller Spontanität, die in der Mitte der 70er Jahre in den ‚Mistralbildern‘ ihren Höhepunkt finden. Bilder expressiver Farbmosaike, von der Realität emanzipierter tanzender Farbflächen. In dieser Zeit begreift er einen Satz von Paul Cézanne‚ vom Parallelmalen zur Natur.’ „Er bedeutet nicht das eigentliche Ereignis zu sehen oder sich daran zu messen, sondern angeregt davon manchmal etwas völlig anderes zu schaffen.“ Der Spielraum der Modulation reicht weit, doch er bleibt gebunden an Erde, Himmel und Licht. „Man kommt manchmal rasch an die Grenze und muss dann zurück. Es gibt nicht das absolute Bild.“

Zehn Jahre später lösen sich diese harten Farbübergänge auf, die Grenze zwischen Himmel und Erde wird unkenntlich - ‚apollinische Landschaften‘ (Rainer Beck).

 

Diese Reduktion auf das Wesentliche schafft die Verbindung zu den Bildern von Katharina Lichtner (geboren 1969). Mit den Mitteln der Farbe zurück zum Ursprung; auch für sie gilt dieses Prinzip. „Ich betrachte die Welt, die Dinge durch ein kleines Loch in einem Stück Karton, dabei verliert dasGesehene seine Dinghaftigkeit, ist nur noch Detail oder Fragment - ein Fleck, eine Linie. Und doch bleibt das Fragment das Ganze.“ Die Malerei ist geprägt von diesen Flecken und Linien, Farbfragmenten, die zwischen zarten Andeutungen und kraftvollen farblichen Verdichtungen wechseln. Die Bilder bleiben bewusst skizzenhaft und offen.

Wenn Werner Lichtner-Aix schreibt: „Die Landschaft als Vorwand zum Freiwerden der Farbe. Für mich bedeutet Himmel allein das Erleben von Farbe,“ so greift Katharina Lichtner auf die ‚inneren Landschaften‘ zurück, setzt intuitiv die Farbe auf die rohen Leinwände. Mit Titeln wie‚ Himmelfragment’ oder ‚Flecken die wie Vögel hocken’ führt sie die Bilder dann doch wieder in eine gewisse Realität zurück und weckt das assoziative Spiel des Betrachters. „Im Fremden beginne ich zu sehen.“ Und so bewegt sich der Blick des Betrachters im Spannungsfeld zwischen Farbe und Licht, Realität und Poesie. 
Dialog in Bildern.

 

Katharina Lichtner - biographisches -

Geboren 1969 an einem Freitag in München
1987 Abitur
1988-1991 Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
1991-1994 Akademie der Bildenden Künste München

Geboren bin ich 1969 in München; aufgewachsen in einem Dorf in Südfrankreich zwischen dem
Geruch trockener Steine und Terpentin im Atelier meines Vaters. Das Abitur und der Tod des/ meines
Vaters beenden die Kindheit und Jugend 1987.

1988 beginne ich an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zu studieren und wechsle
nach drei Jahren an die Akademie in München, wo ich das Studium 1994 abschließe. Es folgt ein
einjähriger Arbeitsaufenthalt in Indien und China. Die Farbigkeit (Indien) und die Schriftzeichen, vor
allem die der alten Grabtafeln (China), begeistern mich und prägen meine Aufmerksamkeit.



Zunächst stellen die Zeichnung und die Malerei lange Zeit das Beschreiten eines inneren Wegs dar
und bedeutet für mich ein von der Außenwelt zurückgezogenes Arbeiten im Atelier. Die Arbeit als
freie Graphikerin ermöglicht mir diesen Freiraum. Ich schätze die vielschichtige Auseinandersetzung
mit den unterschiedlichsten Themen, den Dialog mit einem Gegenüber, das Erarbeiten von
zweckgebundenen Lösungen. Und dennoch tue ich alles mit dem Blick oder dem Empfinden, der
von Farbe und Linie geprägt ist. Wenn ich also ein Signet entwickle, tue ich dies als Zeichnerin oder
sogar Plastikerin. Bestimme ich die Farbstimmungen eines Buches, tue ich dies als Malerin.

Von Anbeginn ist die Zeichnung vor allem Linie und Rhythmus - erzählend, umschreibend. Erst ein
paar Jahre später gewinnt die Malerei, das heißt die Farbe an Wichtigkeit. Zur Linie fügen sich
Farbflecken und -flächen. Der Gegenstand, das Wahrgenommene ist Anlass, nicht Motiv. Es sind oft
die kleinen Dinge am Rande, die mich inne halten lassen und die ihren Platz oder besser ihre
Entsprechung in meinen Bildern wiederfinden; als Fragment, als Struktur, als Farbklang. Aber auch
der Versuch Begriffenes auf das Wesentliche zu reduzieren beschäftigt mich. Mit den Mitteln der
Farbe zurück zum Ursprung, den ‚inneren Landschaften‘. „Ich betrachte die Welt, die Dinge durch
ein kleines Loch in einem Stück Karton, dabei verliert das Gesehene seine Dinghaftigkeit, ist nur
noch Detail oder Fragment - ein Fleck, eine Linie. Und doch bleibt das Fragment das Ganze.“

Seit 2009 vereinzelt Ausstellungen und Messebeteidigung (Art Karlsruhe).
Meine Künstlerbiographie sind tatsächlich meine Bilder, Zeichnungen und Figuren. „Im Fremden
beginne ich zu sehen.“

MUSÉE-ATELIER
WERNER LICHTNER-AIX
DIALOGUE
Dialog in Bildern
Werner Lichtner-Aix & Katharina Lichtner

2 MAI – 12 OCTOBRE 2019